Aus "Esch Aktuell" Nr. 71/Mai 1992

Liebe Escher Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Mehrmals bin ich gebeten worden, den Leserinnen und Lesern von "Esch Aktuell", Sinn und Zweck der Dorfgemeinschaft "Greesberger" Esch deutlicher zu machen.
Diesem Wunsch komme ich gerne nach, obwohl ich weiß, daß dies an dieser Stelle nur schwerpunktartig sein kann.
Im Gegensatz zu vielen Klubs und Vereinen, in denen die Mitglieder ihrem Hobby, wie z.B. Fußball, Tennis, Wandern oder Gesang, nachgehen, hat die Mitgliedschaft in der Dorfgemeinschaft eine ganz andere Dimension, nämlich fast ausschließlich die Dimension reiner Gemeinnützigkeit. Wer sich in der Dorfgemeinschaft engagiert oder auch nur seinen Beitrag entrichtet, hat, materiell gesehen, persönlich nichts davon außer der lobenswerten Genugtuung, seinen Teil zu mehr Gemeinsamkeit und für die Gemeinschaft vor Ort zu leisten. Und das ist, was oft verkannt wird, sehr viel, wenn man sich die jährlichen Aktivitäten der Dorfgemeinschaft einmal ins Gedächtnis ruft und dabei nicht vergißt, daß so gut wie alle mit Opfer an Freizeit und nicht  unerheblichen Kosten verbunden sind.
Ein Außenstehender wird kaum wissen, daß die Tageszeitung für die Besucher der Altentagesstätte nun schon viele Jahre lang von der Dorfgemeinschaft bezahlt wird, ebenso wie die Blumen- und Kranzspenden bei Silber- und Goldhochzeiten bzw. bei Beerdigungen und vielen anderen Anlässen.
Die inzwischen traditionelle abendliche, von vielen begrüßte und für gut befundene Beleuchtung der historischen Martinuskirche, der Straßenschmuck anläßlich der jährlichen Festveranstaltungen, die Durchführung des Martinszugs mit zwei kostspieligen Musikkapellen und den die Kinder erfreuenden Weckmänner, der Senioren-Nachmittag mit Kaffee und Kuchen und anschließendem karnevalistischem Programm sowie die seit Jahren ebenfalls zum Sessionsprogramm gehörende und immer stark besuchte Kindersitzung werden von der Dorfgemeinschaft, d. h. von deren Mitgliedern, mitfinanziert. Für die Öffentlichkeit sichtbarer und erlebbarer sind die beiden großen Säulen, auf denen das Haus unserer Dorfgemeinschaft steht und stehen sollte, nämlich die Organisation und die Durchführung der Veranstaltungen zur Escher Kirmes und zum Karneval in Esch. Für die Stabilität dieser Säulen reicht das Beitragsaufkommen von den Mitgliedern nicht aus. Hier ist die Dorfgemeinschaft als Veranstalter auf Ihren Besuch, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, angewiesen.
Im Grunde geht es hierbei nicht um die Dorfgemeinschaft als Institution, sondern um den Willen, die Gemeinschaft in unserem Ort und die Traditionen nicht untergehen zu lassen, sondern dieselben unserer Zeit gemäß fortzusetzen, zu beleben und anderen sowie sich selbst Freude zu bereiten. Und hier sind nicht minder auch die jüngeren Bewohner unseres Ortes gefordert, mitzutragen, mitzuwirken und mitzudenken; denn wenn wir heute nicht bereit sind, Bewährtes fortzusetzen, sondern lieber zurückzuschrauben durch leichtfertiges Desinteresse, dann wird es eines Tages kalt sein in Esch; und das wollen wir doch eigentlich alle nicht.
Viel besser ist es wenn sich Nichtmitglieder sagen, da gehen wir hin, weil wir wollen, daß es weitergeht, und wenn sich Mitglieder sagen können, es ist großartig, daß durch meine Mithilfe einiges gelingen kann.

Mit freundlichen Grüßen
Helmut Lüpschen 
[Ehemaliger Vorsitzender der Dorfgemeinschaft, Anm. des Webmasters]