Aus "Esch Aktuell" Nr. 100/Dezember 2000

Von Jörg Beyfuß und Hans-Peter Geuhs

Vor 26 Jahren, wer erinnert sich noch?, ...

...war Esch, unmittelbar vor der Eingemeindung nach Köln, Sitz der Gemeinde Sinnersdorf. Die Verwaltung residierte in dem schönen alten Schulgebäude auf der Weilerstraße hinter der Feuerwehr, mit eigenem Einwohnermeldeamt, Ordnungsamt, Standesamt, Katasteramt und allem, was man sonst so brauchte. Und kurze Wege gab´s. Bei "Amtssachen" spazierte man mal eben dorthin. Man kannte sich, und alles war so persönlich wie auch in der örtlichen Poststelle bei "Tante Anna" in der Kirchgasse. An der Sinnersdorfer Straße (heute Chorbuschstraße) lag der Obstgarten des Wernershofs. Er hieß "Schweinewiese", weil dort die von Dr. Courth, dem Vater des heutigen Hofherrn, entwickelten Europaschweine - "die mit einer Rippe mehr" - ihren Auslauf hatten. Gegenüber stehen heute die Einfamilienhäuser der Martinusstraße. Damals lag dort eine große freie Wiese. Sie gehörte der gräflichen Familie Berghe von Tripps, die sie regelmäßig der Dorfgemeinschaft für das Karnevalszelt und für die Kirmes im Herbst zur Verfügung stellte. Es war der Escher "Kirmesplatz".

In diese dörfliche Idylle zogen damals viele großstadtmüde Neubürger. Esch wuchs: Malerviertel, Ringstraße, Martinusstraße, Edmund-Richen-Straße, Amsel-, Drossel-, Finken- und Starenweg, hier enstanden neue Siedlungen.

Der legendäre Fritz Becker war Vorsitzender der Dorfgemeinschaft, als Esch nach Köln eingemeindet worden ist. Er hat die Fragen und Probleme früh erkannt, die mit dem Köln-Gesetz und die damit verbundenen kommunalen Veränderung entstehen würden. Esch, Pesch und Sinnersdorf, die Teile der alten Gemeinde Sinnersdorf im Landkreis Köln, wurden getrennt. Sinnersdorf ging an die Stadt Pulheim, Esch und Pesch wurden Teile des Kölner Stadtbezirks Chorweiler. Bereits 1974 hat Fritz Becker mit einem runden Dutzend Neubürger unter dem Mantel der Dorfgemeinschaft einen "Arbeitskreis kommunale Interessen" ins Leben gerufen. Seine Aufgabe: In der allgemeine Unsicherheit und den verbreiteten Ängsten im Zusammenhang mit der Eingemeindung sollte sich dieser Kreis kundig machen und die Mitbürger informieren. Es ging also nicht um einen Gegenverein zur Dorfgemeinschaft, sondern um praktizierte Nachbarschaftshilfe. 

So wurde der Arbeitskreis kommunale Interessen von der bereits existierenden Mitgliederschar sehr herzlich aufgenommen, obwohl es sich hier um eine Gruppe totaler Immis handelte. Ein historisch wichtiger Nebeneffekt: In einer dramatischen Mitgliederversammlung unter geschickter Führung des Vorsitzenden wurde das erste weibliche Mitglied in die Dorfgemeinschaft aufgenommen. Heute kann man sich die Dorfgemeinschaft nicht mehr ohne ihre weiblichen Mitglieder vorstellen. Aber vor gut 25 Jahren war die Tradition des Junggesellenvereins noch dominant.

In enger Zusammenarbeit mit dem Vorstand der Dorfgemeinschaft und der Verwaltung unter Leitung von Gemeindedirektor Franz Goebbels haben wir eine Menge über die Eingemeindungspläne erfahren. Doch wie konnte man dies in die Allgemeinheit transportieren? In einer der vielen Nachtsitzungen schlug in einem der damals fast in jedem Haus vorhandenen Partykeller die Geburtsstunde unserer Dorfpostille. Ihr erster Arbeitstitel "WIESE" (Wir in Esch sind einig) fand erfreulicherweise rasch den Weg in den Papierkorb. Und es entstand ESCH AKTUELL. Roland Böndel, grafisch begabter Sohn von Wolfgang Böndel aus dem Drosselweg, schuf das Logo des Informationsblattes. Bald schmückte dieses Logo auch den Briefkopf der Dorfgemeinschaft. So hatten wir gegenüber unseren Gesprächspartnern der neuen Mutter Colonia einen gemeinsamen und klaren "Auftritt", wie man in Neudeutsch sagt. Diese Form von Werbung für das Dorf hat sich in den Folgejahren sehr bewährt, wenn wir bei Oberbürgermeister John van Nes Ziegler, Oberstadtdirektor Kurt Rossa sowie der Bezirksvertretung und Bezirksverwaltung in Chorweiler vorstellig wurden. 

Die Nummer 1 von ESCH AKTUELL erschien im Dezember 1974. Sie war noch geprägt von bösen Vorahnungen und Ängsten. Es finden sich Zitate aus den Dorfkneipen Heideröslein und beim "Büb" wie: "Jetzt haben die uns geschluckt,....höhere Steuern, Müllabfuhr schlechter...Und dann setzen die uns chemische Fabriken nach Esch, die Kiesgruben werden zu Müllkippen, und die Verkehrsverbindungen werden noch schlechter...". Mit der Zeit wandelten sich die Themen von ESCH AKTUELL. Doch mehr als einmal wurde es zum Hebel, mit dem die Dorfgemeinschaft Dinge bewegt hat. Dazu gehören Themen wie die Verkehrsberuhigung, die Altentagesstätte, die Flächennutzungspläne und die Bebauungspläne. Selbstverständlich ist nicht alles gelungen. So haben wir es trotz großer Anstrengungen nicht geschafft, den Stadtrat von unseren Vorschlägen zur Umbenennung von doppelt und dreifach vergebenen Straßennamen (beispielsweise Amsel-/Drossel-/Finken-/Staren-Weg) zu überzeugen. Bis heute kommen Postsendungen manchmal nur nach Umwegen über andere Kölner Stadtteile oder gar nicht an. Und auch das Thema Durchgangsverkehr kann noch nicht zu den Akten gelegt werden.

Es gibt also immer noch viel zu tun und zu berichten. Wir beiden Geburtshelfer wünschen ESCH AKTUELL anlässlich seiner 100sten Ausgabe viel Erfolg und weiterhin seinen festen Platz im Dorfgeschehen.