Aus "Esch Aktuell"Nr. 83/April 1995

FC Kess, 25 Jahre immer am Ball
Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre war die hohe Zeit der sogenannten Thekenmannschaften. Vielerorts fanden sich in Gaststätten in und um Köln unter den Stammgästen Leute, die bis
dahin jahrelang in den unterschiedlichsten Spielklassen für ihre Sportvereine Fußball gespielt hatten. Sie hatten regelmäßig an Meisterschaftsspielen und am wöchentlichen Training teilgenommen, bis dann der Zeitpunkt gekommen war, an dem sie aufgrund ihres Alters, häufiger jedoch aus familiären und beruflichen Gründen, nicht mehr die Zeit und den sportlichen Ehrgeiz für das Gebundensein an einen regelmäßigen Spielbetrieb aufbringen konnten oder wollten. Nach einer völligen Entsagung von dem Spiel mit dem geliebten
runden Leder" stand ihnen aber auch noch nicht der Sinn.
So kam man in manchem Lokal in Gesprächen an Theken und Stammtischen überein, die Fußballschuhe doch noch nicht endgültig an den sprichwörtlichen Nagel zu hängen, sondern sich sporadisch und spontan, aber eben ungezwungen zum Fußballspiel zu treffen. Durch die Vielzahl der damals gegründeten Freizeitmannschaften waresnur allzu verständlich, daßman untereinander Spiele vereinbarte und durchführte.
Auch in Esch ereignete sich Ähnliches, als am 19. Dezember 1970 in der Gaststätte Goebels, nachdem man mit einigen Gläschen des damaligen Kess-Kölschs die Geburt des Jungen eines Stammgastes gefeiert hatte, die bereits mehrfach diskutierten Überlegungen hinsichtlich einer Thekenmannschaft konkrete Formen annahmen und an demselben Abend noch zur Gründung des nach dem auf den Tischen stehenden Bieres genannten "FC Kess Esch" führten. Innerhalb weniger Minuten hatte der neue Verein schon aktive und zahlende Mitglieder und, nachdem die Anwesenden ihre Geldbörsen und Brieftaschen "befragt" hatten, lagen im Nu 500.-- DM auf der Theke. Das Lokal in der Kirchgasse wurde ad hoc Vereinslokal, der Wirt zählte zu den ersten Sponsoren,
gefolgt von der das namensgleiche Kölsch liefernden Brauerei in Dormagen.
Das größte Problem war dann die Suche nach einem geeigneten Platz, um Spiele austragen zu können; denn das erste Spiel fand am 13. März 1971 auf einem unzumutbaren "Bolzplatz" auf dem belgischen Militärgelände Butzweilerhof statt, einem Flugfeld mit zwei wackligen Holztoren ohne jedwede Linienmarkierungen. Dennoch war der FC Kess stolz auf seinen 5:0 Sieg gegen eine Mannschaft aus Worringen.
Das Platzproblem fand bereits 1971 seine Lösung durch die Aufnahme der Mannschaft beim damaligen DJK Bocklemünd als 3. Alt-Herren-Mannschaft mit entsprechenden Spielerpässen, aber ohne Stimmrecht bei Mitgliederversammlungen.
Von nun an nahm die Anzahl der Spiele rapide zu, man konnte nun guten Gewissens andere Mannschaften einladen und wurde selbst von anderen eingeladen. In kurzer Zeit wurde der FC Kess Esch bei vielen anderen Klubs bekannt als erfolgreich spielende Mannschaft und angenehmer Gast.
Es dauerte nicht lange, bis die ersten Einladungen zu Turnieren eintrafen, bei denen die Escher nicht selten zu den Erstplazierten zählten, was die stattliche Anzahl an Pokalen beweist, von denen nur ein Teil im Vereinslokal zu besichtigen sind. Zu den Höhepunkten gehörten bisher Turniere in Bad Neuenahr, Bersenbrück, Hückeswagen, Neuwied sowie im niederländischen Alkmar und im elsaß-lothringischen Holtehouse bei Lützelbourg. Mit letzterem Verein hatte sich eine jahrelange Partnerschaft entwickelt, die ihre Krönung in einer Reihe mit viel Mühe und Liebe vorbereiteter gegenseitiger Besuche fand
Seit dem fünften Jahr seines Bestehens trägt der FC Kess selbst erfolgreich Turniere im Freien und in der Halle aus. Um sicher zu sein, daß auch die Gastmannschaften zu den Siegern gehören, nimmt die eigene Mannschaft an den häuslichen Turnieren nicht teil-, sie wird außerdem immer dringend bei der Organisation gebraucht.
In vielen Köpfen haben Thekenmannschaften nicht immer den besten Ruf. Der FC Kess ist jedoch vom ersten Tag seiner Existenz an auf ein gutes Image bedacht gewesen. Das mag wohl auch ein nicht unwesentlicher Grund dafür sein, daß dieser Verein verhältnismäßig rasch zu einer nicht mehr wegzudenkenden, nach allen Seiten offenen und kompromißbereiten Gruppierung im Vereinsleben von Esch geworden ist. Neben den- vereinsinternen Aktivitäten, wie jährliche Fahrten der Mannschaft und für alle Mitglieder sowie neben den beliebten Weihnachtsfeiern wird der FC Kess in diesem Jahr sein elftes Kinder- und Straßenfest ausrichten, welches sich in der Öffentlichkeit großer Beliebtheit erfreut.
Daß der FC Kess, der heute 91 Mitglieder zählt, sich seit 25 Jahren am Escher Karnevalszug beteiligt, gilt heute als Selbstverständlichkeit, und viermal stellte der Verein im Laufe seiner bisherigen Geschichte aus seinen Reihen das Escher Dreigestirn.
Einige Sorgen bereitet zur Zeit den Verantwortlichen das etwas dünne Polster an aktiven Spielern für die Mannschaft. Man würde sich bestimmt freuen, wenn der eine oder andere Interessent sich an einem Mittwochabend einmal im Vereinslokal in der Kirchgasse einfände, um etwas mehr über den sympathischen Verein zu erfahren, der in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag feiert.