Aus "Esch Aktuell" Nr. 94/Dezember 1998

Man muß die Feste feiern wie sie fallen

Von Romie Esser

Fallen sie im Hochsommer ins Wasser bzw. in den Regen, dann ist das für unsere Regionen sicher der Normalfall, aber für alle Organisatoren der absolute Härtefall. Und der trat bei unserem 25-jährigen Jubiläum natürlich prompt ein. Schon am Vorabend war allen Organisatoren klar - Plan A war gestorben, Plan B mußte in Kraft treten. So schwärmten umgehend alle Kombifahrer und Hängerbesitzer unter den Kindergarteneltern aus und sammelten die Pavillons und Sonnenschirme ein. Am Samstagmorgen, pünktlich um 10.00 Uhr standen mindestens 30 Helfer bereit, um diese Pavillons aufzubauen und die Sonnenschirme mit Planen abzudecken. Noch war es trocken, auch wenn hin und wieder eine dunkle Wolke in Drohgebärde über uns hinwegzog.
150 m rot-weiße Fähnchen - von den Kindern selbst gebastelt - wurden über den Platz gespannt und Begrüßungsplakate an den Auffahrten angebracht. Über der Kirchentür hing in großen bunten Buchstaben das Motto des Festgottesdienstes, und viele bunte Ballons zierten die Verkaufs- und Aktionsstände. Der Platz rund um den Kindergarten sah einladend und festlich aus, alle Helfer waren mit dem Ergebnis ihrer Bemühungen zufrieden. Jetzt aber ab unter die Dusche und rein in die Festtagskluft! Vor allen Dingen das Make-up renovieren, damit die Ehemaligen einen nach 25 Jahren noch wiedererkennen, auch wenn man für sie sicher schon zu den Gruftis zählt.
Stievstaats stehen wir parat und ziehen mit den Kindern unter Glockengeläut zum Festgottesdienst ein. Die Kirche ist prallgefüllt, und viele ehemalige Kolleginnen sind auch gekommen, um mit uns für 25 Jahre erfolgreiche Arbeit zu danken. Der fröhliche Gesang, die besinnlichen Gebete und die Tänze der Kinder stimmen uns auf den Festtag ein, und im Vertrauen auf Gottes Segen stürzen wir uns in das bunte Treiben rund um den Kindergarten. Glücklicherweise ist es immer noch trocken, und die kleinen Gäste können sich nach Herzenslust austoben. Wo mer jeiht und steiht sieht mehr Pänz, Pänz, Pänz, und die Warteschlangen vor den Aktionsständen sind endlos. Im Café ist es rappelvoll, und die Helferinnen und Helfer an den Verkaufsständen geraten trotz niedriger Temperaturen ins Schwitzen. Reibekuchen, Gulaschsuppe, Grillwürstchen, Fritten und Hamburger finden reißenden Absatz, und auch an den Getränkeständen arbeitet man fieberhaft in 4-Mann-Schichten. Alles läuft wie am Schnürchen.
Die Escher Kids, die Escher Mädchen und die Auweiler Maikäfer bringen uns ihre Tänze dar und ernten viel Applaus von den begeisterten Zuschauern. Die "Pänz us Esch" bringen uns ein Ständchen, und alle Festgäste singen gleich mit. Unsere dorfeigenen "Backstreet Boys" werden von den Kids umlagert und sonnen sich in den bewundernden Blicken der Kindergarten-Girlies. Den Abschluß des Nachmittagprogrammes bildet der Gospelchor der ev. Gemeinde mit einigen mitreißenden Liedern.
Es ist jetzt 18.00 Uhr. Die Spielstände schließen, und die Wolken öffnen sich. Do hammer de Rään!
In Windeseile werden die Pavillons von der Wiese um die Getränkewagen drapiert, Bänke und Stehtische werden umgeräumt und trocken gewischt. Einige wenige Gäste sind auf dem Platz verblieben, und uns wird angst und bange. Großkotzig haben wir auf Anfrage der Bläck Fööss ca. 500 Zuschauer angegeben. Jetzt befinden sich gerade noch ca. 80 wetterfeste und treue Gäste auf dem Festgelände. Wie peinlich! Aber glücklicherweise bleibt uns nicht viel Zeit zum Grübeln und Schämen, denn das Café muß ausgeräumt und geputzt werden, die Getränkestände brauchen Nachschub und die Lastwagenbühne muß für das Abendprogramm vorbereitet werden.
Meine Füße schreien nach einem Sprudelbad, meine Haare nach einem Fön, die Klamotten nach dem Wäschetrockner und meine Nerven nach der Couch. Aber von wegen - wer schreit, kriegt recht - die "Klätze" stehen auf der Bühne bereit und warten auf ihre Ansage. Was wollte ich noch sagen? Keine Ahnung . Ich hatte doch Zettel, aber wo? Zu spät! Mir wird schon was einfallen. Tut es dann auch. Die "Klätze" spielen los, und der Platz füllt sich wieder. Die "Ehemaligen" kommen. Wie schön, wenn man jetzt Zeit hätte, sich mit ihnen über die alten Zeiten zu unterhalten. Aber die Musik verbindet, und bald stehen wir alle schunkelnd Arm in Arm vor der Bühne. 
Der Himmel hat sogar ein Einsehen und schließt für kurze Zeit die Schleusen, um dann aber mit doppelter Kraft loszuschütten. Ich sehe den ersten Bläck Fooss auf dem Platz und könnte brechen vor Angst. Mein Gehirn hat zum Thema Bläck-Fööss-Ansage alle Disketten gelöscht. Ein Bier hilft jetzt auch nicht weiter. Aber dann sehe ich meine Eltern mitten in der schunkelnden Menge, und ihr aufmunternder Blick macht mich wieder stark. Die "Klätze" werden unter lautem Jubel verabschiedet, und die Bläck Fööss erscheinen auf der Bühne. Ich kann immer noch nicht fassen, daß sie heute für uns hier kostenlos auftreten. Die Ansage ist gelaufen, ich leben noch und genieße den Blick in die Zuschauermenge. Mindesten 500 Gäste stehen im trötschenden Regen und singen aus voller Brust: "Dat Wasser von Kölle es jot". Kinder - eingemummelt bis zu den Augen, sitzen auf Papas Schultern und halten wacker ihre Leuchtstäbe und Wunderkerzen hoch. Die Stimmung ist toll, und das wird von den Bläck Föss durch etliche Zugaben honoriert. So schön haben wir in Esch noch nie em Rään jestande. Die letzte Zugabe ist gegeben, die Bläck Fööss bekommen ihre Gage - einen Weckmann -, und jetzt beginnt für die Kids die Jagd auf Autogramme.
Bevor der Disc-Jockey seinen Job antreten kann, geben die Lautsprecherboxen den Geist auf, aber dank unseren "Ehemaligen" sind bald neue aufgebaut, und bei Oldie-Musik machen es sich Gäste unter den Pavillons gemütlich. Da macht die Schreckensnachricht: "kein Bier mehr da!" die Runde. Ortskundige Helfer schwärmen umgehend aus, um in den naheliegenden Kneipen, Getränkehandlungen und Tankstellen Nachschub zu holen. Unsere wohlwollenden Besucher begnügen sich derweil mit den Weinvorräten. Von fern ertönen Samba-Klänge: der letzte Programmpunkt kündigt sich an - die Samba-Gruppe Pinha Colon spielt für uns auf und vermittelt uns das Gefühl einer tropischen Sommernacht. Der Rhythmus geht ins Blut, und schon bald sieht man alt und jung beim Sambaschritt.
Da trifft auch der Biernachschub ein und wird jubelnd entgegengenommen. Um 24.00 Uhr ist dann aber auch dieser Nachschub aufgebraucht, und so bleibt uns nichts anderes übrig, als den letzten Gästen einen guten Heimweg zu wünschen.
Innerhalb von 2 Stunden sind alle Pavillons abgebaut und zum Trocknen im Kindergarten ausgelegt. Um 2.00 Uhr ist der Platz leer - und der Kindergarten vollgeräumt, und wir lassen uns in dem ganzen Chaos ein wohlverdientes Gläschen Wein schmecken.
Am nächsten Morgen stehen wieder viele Helfer bereit, und in 3 Stunden ist alle Aufräum- und Spülarbeit erledigt. Das Fest war ein voller Erfolg, alle Gäste haben sich gut unterhalten, und das verdanken wir den vielen Helferinnen und Helfern, die mit uns geplant, organisiert, aufgebaut, gearbeitet und aufgeräumt haben.
"Echte Fründe stonn zesamme", und wir sind begeistert und überwältigt über alle die vielen Freunde, die uns zur Seite gestanden haben. Beim Dankeschön-Abend am 18. September konnten wir gemeinsam mit allen Helfern ein wenig nachfeiern und ein wohlverdientes Bier genießen. Nutzen Sie die nächsten 5 Jahre zur Erholung, denn zum 30-jährigen Jubiläum werden wir wahrscheinlich gern auf Ihre Mithilfe zurückkommen.

Bis dahin ein herzliches Dankeschön. 

Für das Team vom Kindergarten St. Martinus
Romie Esser