Kontinente, eine Komposition in Glas

Jesus-Christus-Kirche in Köln-Esch hat ein neues Fensterband aus vier gläsernen Bildern.

 Im Rahmen einer ökumenischen Feier sind am Pfingstsonntag vier neue Fenster in der evangelischen Jesus-Christus-Kirche in Köln-Esch der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

Gemeinsam mit dem Künstlerteam Eva Degenhardt und Roger Wefels haben Mitglieder der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Esch und Pesch sich ein Jahr lang Gedanken über Form und Inhalt der Fenstergruppe gemacht und ihre Vorstellungen eingebracht, die schließlich unter dem Titel „Kontinente“ als Oberbegriff zu einer beeindruckenden Einheit aus Symbolen, Worten und farblicher Gestaltung zusammen gefasst worden sind.

Der Betrachter wird eingeladen, sich auf diese Kontinente zu begeben und sich mit deren jeweiligen Einzelthematik auseinander zu setzen: Visionen / Glaube und Handeln / Wissen / Endlichkeit Unendlichkeit“.

Schon der gedankliche Schritt auf den Kontinent „Visionen“ mahnt zur Behutsamkeit  und Vorsicht. Ein rötliches Schiffchen, wie Kinder es aus Papier zu falten pflegen, schwebt mit bläulichem Segel auf einer orange-gelben Insel aus Blütenblättern der Sonnenblume, die jedoch keine endgültige Festigkeit und Geborgenheit zu geben scheint, da die Blätter selbst im sie umgebenden azurnen Meer Gefahr laufen, durch Wind und Wellen auseinander zu driften und so das kleine Schiff dem großen Meer zu überlassen drohen. Visionen sind zwar von Nutzen, garantieren aber keine Sicherheit.

Zwei Bänder aus hellgelber und dunklerer blaugrüner glänzender Seide, deren Anfang und Ende nicht erkennbar sind, geschlungen zum Zeichen der Unendlichkeit, sind der Mittelpunkt des Bildes „Glaube und Handeln“. Besonders der Gläubige wird in den Ovalen dieser Bänderschleife die Geschlossenheit im Glauben und das Behütetsein in Gott spüren. Dunkelblaue Zeichen des Glaubens und des Handelns, wie das menschliche Herz, sich zart berührende Hände, Rosenblüten, die als Symbol der Liebe und Anerkennung gegenüber Mitmenschen das Materielle für Augenblicke in den Hintergrund treten lassen, umgeben auf dem allen Bildern eigenen hellblauen Untergrund die Bänderschleife, zu deren linken Seite in nüchternen roten Druckbuchstaben der Begriff „Wort“ und auf der rechten Seite das Wort „Rose“ zu lesen ist.

Zu einer Kette aneinander gereihte Perlen symbolisieren im dritten Werk das Thema „Wissen“. Die Kette endet an der linken und rechten Seite des Bildes, doch in Gedanken lassen sich, so wie neue Erkenntnisse Wissen erweitern, auf beiden Seiten neue Perlen angliedern zu einer unbegrenzten Kette, die schließlich doch göttliche Allwissenheit nie zu erreichen vermag. Symbole wie das Gehirn, das dem Menschen dem Schöpfungsbericht zufolge eine Sonderstellung vorbehält, ein Hahn, der wie im Falle Petri auf die Gefahren menschlicher Schwächen wie Verleugnung und Verleumdung hinweist, Ventilatoren als Zeichen technischen Fortschritts und eine Biene, die als kleiner wertvoller Teil der Kreatur zum vernünftigen Umgang mit der Natur mahnt, sind auf der Fläche verteilt.

Doch selbst die Perlenkette verblasst durch vier, das Bild teilende kräftige, in naturbelassenem Grün gehaltene bedornte Rosenstiele, die vom oberen und unteren Bildrand begrenzt sind. Die Dornen mögen ein Hinweis sein auf die Stacheln, auf die wir im Leben treffen, die uns bittere Erkenntnisse bringen und uns schmerzhafte Erfahrungen auf dem Lebensweg machen lassen. Doch die Hoffnung bleibt, dass oben, außerhalb des Bildrands, sich duftende Blüten befinden, rote oder gelbe, sicher können wir nicht sein, wir wissen es nicht, wir befinden uns an der Schwelle von Wissen und Glauben.

„Endlichkeit Unendlichkeit“ ist der Titel des vierten Fensterbildes, in dem in der Mitte des oberen Rands das leuchtende Rot einer herab hängenden Erdbeere die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich lenkt. Die Erdbeere zählt zu den wenigen Pflanzen, die gleichzeitig Früchte und Blüten sowie Ausläufer zur Bildung neuer Pflanzen für das kommende Jahr hervor bringt und deshalb bereits im Mittelalter als Symbol der Unendlichkeit galt. Im Bild ist dieses Symbol gebettet auf einer Komposition aus leichten weißen Federn, die, Wolken gleich, nach oben hin der Endlichkeit des Bildes in die Unendlichkeit des Universums zu entschweben scheinen. Ergänzend zu der Leichtigkeit, mit der sich hier Endlichkeit und Unendlichkeit begegnen, machen die schlichten dunkelblauen Lettern von neun Worten, - wiederum auf lichtblauem Grund gesamtflächig verteilt -, auf sich aufmerksam. Jedes einzelne Wort – Licht, Segen, Wärme, Trauer, Zuversicht, Abschied, Liebe, Engel, Versagen – setzt im Betrachter einen Gefühls- und Denkprozess in Gang, der sich vielleicht ansatzweise aber nicht endgültig beschreiben lässt, sondern das, was die Seele des Menschen genannt wird, erreicht.

Allen, die an dem ökumenischen Projekt „Kontinente“, dessen Ergebnis vier eindrucksvolle Fensterbilder geworden sind, die den Kirchenraum für lange Zeit mit neuem Licht durchfluten werden, mitgewirkt haben, muss man gratulieren.

Kunst lässt dem Einzelnen immer den Spielraum unterschiedlicher Betrachtungsweise und Deutung, dessen sich auch in diesem Artikel bedient wurde. Der Beitrag möchte im Grunde die Leserinnen und Leser anregen, sich selbst von der Schönheit des neuen Fensterbands in der evangelischen Kirche in der Martin-Luther-Straße zu überzeugen.

Besser noch als diese Zeilen informiert das Heft „Kontinente“ mit den farbig abgedruckten Bildern, erläuternden Texten und den Namen der Beteiligten. Das Heft ist zum Preis von 5,- Euro in den zuständigen Pfarrbüros erhältlich.