„Et Schlimmste han mer hinger uns!“
Im Sinne dieser kölschen Redensart hatte vor Jahren die Lehrerin Wilma Overbeck
mit ihren Kollegen Armin Foxius und Werner Reuter für die Kinder ihrer
damaligen Schule ein Theaterstück in Mundart geschrieben, dasselbe dort
einstudiert und aufgeführt.
Als zu Beginn des Schuljahres 1992/93 an der
Gemeinschaftsgrundschule in Esch, an der Wilma Overbeck inzwischen
unterrichtete, eine Chor- und Theaterarbeitsgemeinschaft eingerichtet wurde,
konnte dieses Stück mit rund 50 Kindern der 4. Klassen nach intensiven Proben
erfolgreich in der Pausenhalle zur Aufführung gebracht werden.
Dieses 1 1/4-stündige Stück war der Beginn
einer bemerkenswerten Entwicklung der musischen Arbeit an dieser Schule, in
deren Mittelpunkt die „kölsche Sproch“ stand und steht.
Im darauf folgenden Jahr war der für die
Arbeitsgemeinschaft abschließende Höhepunkt die Vorstellung einer
„Hitparade“ in Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern der Pescher
Grundschule.
Inzwischen wurden auch Kinder aus den 3.
Klassen mit einbezogen; die gesamte Teilnehmerzahl musste allerdings unter dem
Gesichtspunkt konzentrierter Probenarbeit auf 100 Kinder begrenzt bleiben.
Die Kombination aus Musik, Gesang und Sprache
stellte sich als beste Voraussetzung für das Genre „Musical“ heraus. Ergänzt
durch tänzerische Elemente in den Stücken war das Ziel, nun Musicals zu
schreiben, einzustudieren und aufzuführen, nicht nur gesteckt, sondern wurde in
die Tat umgesetzt.
So kamen bis zum heutigen Tag zur Aufführung
die „Musicals op Kölsch“: Dem Kaiser
sing neu Kledasch (1995, Text: Gertrud Meinert), Et
fiese schäbbije Entekind (1998, Text: Gertrud Meinert), zu dem, da der
Storch im Stück ausschließlich Arabisch sprach, zur Premiere in der
Pausenhalle die bekannte Gesangsgruppe „De Höhner“ mit ihrem Jahres-Hit
„Die Karawane zieht weiter“ als Überraschung erschien.
Es folgten Dornrüsje
(1999, Text: Anne-Petra Odenbach),
Dschungelbuch (2000, Text: Wilma Overbeck), Drosselbarts
Pitter (2001, Text: Wilma Overbeck) und Peterchens Mondfahrt (2002, Text: Wilma Overbeck).
Die Texte greifen häufig auf Märchen zurück,
die inhaltlich auf die heutige Zeit abgeändert und auf die Anzahl der
Mitwirkenden zugeschnitten werden. Für die Musik ist in erster Linie Wilma
Overbeck, unterstützt von Gertrud Meinert, zuständig, die beide mit
Heinz-Peter Schmitz, Johanna Akomeah und Norbert Kollenbroich auch bei allen
Aufführungen die instrumentale Begleitung stellen.
Für den erforderlichen Aufwand ist inzwischen
ein umfangreicher, fast profihafter Apparat zu organisieren und zu koordinieren,
und Zuständigkeiten müssen verlässlich aufgeteilt sein, wie z.B. der Chor als
Kerngruppe mit ca. 100 Kindern, darunter etwa 40 Kinder (Sprech-theater) –
beides in der Hand von Wilma Over-beck – sowie die Einstudierung von Tänzen
mit durchschnittlich 20 Kindern ebenfalls aus der Chorgruppe (z.Zt. Sybille
Wanders, Marie Flender, Monika Nottrott und Kerstin Schlegel), Bühnenbild
(Lothar Franzkowiak und viele Eltern), zunehmend perfektionierte Technik (Franz
Kretschmann) sowie Kostüme (zahlreiche Eltern).
So ist es nicht verwunderlich, das Wilma
Overbeck als Gesamtleiterin neben ihrer AG-Arbeit in jedem Schuljahr zahlreiche
Elternbesprechungen und Zusatztermine wahrnehmen muss. Im Verlaufe der Jahre hat
sich für sie folgender Ablauf bewährt in Bezug auf die Arbeit mit den Kindern:
1. Vorstellen und Besprechung des Inhalts des
geplanten Stücks.
2. Erstellen von Kassetten mit dem für jedes
Einzelkind relevanten kölschen Text mit Erklärungen zu schwer verständlichen
Begriffen, damit in den Sommerferien bereits die Rollen über das Hören gelernt
werden können.
3. Erläuterung der Zielsetzung, dass bis zu
den Herbstferien der Text beherrscht sein muss.
4. Danach Ausgabe der Textbücher und Sprechen
mit verteilten Rollen.
5. Spielen der verschiedenen Szenen, wobei die
Akteure auch eigene Anregungen einbringen können.
6. Ziel: Das Stück muss bis zu den
Weihnachtsferien aufführungsreif sein, da der März als Aufführungsmonat
festgelegt ist.
Darüber hinaus konzentriert sich ein
sogenannter „Intensivarbeitskreis“ auf die nicht unerheblichen sonstigen
Arbeiten wie Schriftführung (Monika Nottrott), Ansprechpartner und Koordination
(Maria Flender, Martina Garbes), Finanzen, Absprachen mit anderen Organisationen
und Kartenverkauf (Gabi Orbach, Birgit Hermanns), Öffentlichkeitsarbeit
(Wolfgang Bensiek), Erstellung des Programmhefts (Martina Wefelmeier) und
Plakate sowie Cover für das Programmheft (Judith Maiß).
In den vergangenen beiden Jahren waren
besonders die Kinder der Chor-AG noch zusätzlich gefragt und gefordert: im Mai
2001 in der eigenen Schule ein gemeinsames Singen mit der Gruppe „Bläck Fööss“
im Rahmen eines Projekts an 12 Kölner Schulen zur Pflege kölscher Mundart, im
Spätsommer 2001 großes, gemeinsames Singen der 12 ausgewählten Schulen mit
den „Bläck Fööss“ am Tanzbrunnen, am 6. Dezember 2001 in Kooperation mit
einer Schule aus Bickendorf unter dem Namen „Bicken-Escher Pänz“ im Gürzenich
ein Weihnachtskonzert mit den „Höhnern“ sowie ein Konzert als „Bicken-Escher
Pänz“ im E-Werk zur Kölsch-Preis-Verleihung. In diesem Jahr steht den „Bicken-Escher
Pänz“ aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Kölner Ehrengarde ein
Auftritt mit den „Bläck Fööss“ in der Philharmonie bevor, welcher natürlich
mit großer Spannung erwartet wird und auf den sich alle riesig freuen.
Es liegt auf der Hand, dass die maximal zwei Jahre zur Verfügung stehenden Kinder der Arbeitsgemeinschaft, besonders je näher die jeweilige Premiere auf sie zukommt, im Vergleich zu ihren Klassenkameradinnen und Klassenkameraden viel Freizeit opfern müssen. Schließlich sind sie aber doch auch stolz auf ihre Leistungen und Erfolge und haben rasch erfahren, dass es eben ohne Fleiß auch keinen Preis gibt.