Seit August trägt der Platz vor der alten katholischen Kirche (dem heutigen Pfarrsaal) am Birkenweg in Pesch, offiziell die Bezeichnung Pater-Adam-Müller-Platz".
Um unseren Leserinnen und Lesern darzulegen, wer Adam Müller war und was sein Lebenswerk ausmachte, bedienten wir uns der Aufzeichnungen von F. Auweiler und A. Miebach aus Pesch, die sich intensiv mit dessen Historie befasst haben.
Adam Müller wurde vor 100 Jahren, genau am 10. Januar 1900, im bis 1975 zum Landkreis Köln gehörenden Ort Pesch als Sohn einer Landarbeiterfamilie als eines der insgesamt sieben Kinder geboren. Sein Geburtshaus steht heute noch in der Longericher Straße.
Zum Lebensunterhalt der Familie musste er bereits als Kind im landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb seines Vaters mitarbeiten. Ab 1906 besuchte er die einklassige Katholische Pfarrschule bei Pfarrer Johannes Kopohl in Esch und danach die Katholische Volksschule in Pesch, wo Wilhelm Jüncke sein Lehrer war.
Bei den ärmlichen Familienverhältnissen wäre dem begabten Jungen der Besuch des Gymnasiums versagt geblieben und an ein Studium schon erst recht nicht zu denken gewesen, wenn ihm nicht durch die Begabtenförderung seitens der katholischen Kirche in Form von Stipendien beide Möglichkeiten geboten worden wären.
Den Besuch des Internats des St. Josefs-Gymnasiums in Meppen musste er unterbrechen, weil er im Ersten Weltkrieg als Sanitätssoldat eingezogen wurde. Schließlich konnte er aber im Jahre 1921 in Meppen das Abitur ablegen und in den Orden der Gesellschaft Mariens eintreten. Sein Theologiestudium absolvierte er an der Klosterschule St. Olaf in Glauberbruck/Holland, in Niederachdorf bei Straubing und Fürstenzell bei Passau. Nach der Priesterweihe am 29. Juni 1927 in Regensburg _ sein Primiz feierte er in seiner Heimatpfarrkirche St. Martinus in Esch _ erschien sein Lebensweg als Missionar vorgezeichnet; denn sein Orden schickte ihn wohlweislich für ein Jahr nach England zum Erlernen der englischen Sprache.
Tatsächlich erfolgte ein Jahr später seine Berufung zum Missionar in die Ordensprovinz Ozeanien/Nord-Salomonen, wo er nach heute unvorstellbarer strapaziöser Seefahrt über Sydney/Australien und Port Moresby/Neuguinea eintraf.
Zu seinem Missionsbereich gehörten die Inseln Toriboiru, Sipal, Tunuru, Purnatu und Maneta. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erschwerten die australischen Behörden die Arbeit deutscher Missionare, und nach der Besetzung der Inseln durch die Japaner 1943 wurden europäische Missionare, darunter auch Pater Müller, als Spione betrachtet und ins Gefängnis gesteckt. Von zwei Patres ist sogar bekannt, dass sie hingerichtet wurden. Pater Müller, von Eingeborenen befreit, entkam 1945 nach Sydney, wo er kurze Zeit als Kaplan tätig war. Danach zog es ihn wieder zurück zu seinen Inseln".
In seiner Freizeit startete er mit Erfolg den Versuch, Katechismus und Gebete in die Sprache der Eingeborenen zu übertragen, seine Übersetzungen wurden sogar in Paris (1958 und 1964) und in Hongkong (1972) gedruckt. Grammar und Vocabulary of the Kouna Language" war der Titel seines 1954 fertiggestellten Nachschlagwerks, heute mit seinen Übersetzungen in Amerika in der größten Südsee-Bibliothek aufbewahrt.
Aber auch als eine Art Entwicklungshelfer" _ der Begriff war damals noch nicht bekannt _ betätigte sich Adam Müller in seinem Missionsbereich, wobei er sich auf seine landwirtschaftlichen Erfahrungen besann und den Eingeborenen zu Wegen verhalf, dem eigentlich kargen Vulkanboden doch noch Felderträge zu entlocken.
Den Kontakt zu seiner Heimat hat Adam Müller, wenn es eben möglich war, nicht verloren. So feierte er sein Silbernes Priesterjubiläum während seines ersten Heimaturlaubs 1952 mit Pastor Joseph Kronenbürger in der Pescher St. Donatus-Kapelle des Kriegshofs und nahm am ersten Spatenstich und der Grundsteinlegung für die erste St. Elisabeth-Kirche teil. 1964, bei seinem zweiten Heimaturlaub, besuchte er Rom und brachte von dort der Pescher Pfarrgemeinde Reliquien der seligen Maria Goretti mit.
Seinen Lebensabend in der Heimat zu verbringen, lehnte er ab. Dazu war wohl seine Verbundenheit mit den Menschen der Südsee-Inseln zu groß. Pater Adam Müller starb am 21. Juni 1979 in Tabogo auf der Insel Buin.