Ralf Suerland,

ein im Pferdesport erfolgreicher Escher Bürger

 Weltweit bekannt ist die Pferderennbahn im Britischen Ascot, wo fast an jedem Wochen-ende Hunderte von wettbegeisterten Zuschauern spannende Rennen verfolgen. Herausragendstes Jahresereignis auf dieser Bahn ist das fünf-tägige „Ascot Royal Meeting“, bei dem an jedem Tag mindes-tens ein Mitglied der königlichen Familie anwesend ist, um Rennen der besten Pferde der Welt unter erfolgsgewohnten Jockeys zu beobachten.

Für Ralf Suerland, dem in Esch wohnenden Kölner Trainer und Stallbesitzer war es ein unvergessliches Erlebnis, in diesem Jahr mit dem von ihm trainierten Pferd Martello aus dem Gestüt Höny-Hof am 17. Juni, dem Eröffnungstag des Royal Meetings, an dem traditionellen und renommierten Rennen der besten 13-jährigen Hengste aus Europa, teilzunehmen.

Enthusiastisch spricht Suerland von der einzigartigen Atmosphäre, die sich ihm besonders beim Eröffnungstag des von Dienstag bis Samstag andauernden Pferdesportereignisses bot, von der Begeisterung des englischen Publikums für sein Staatsoberhaupt, Queen Elizabeth II, als diese in einer offenen Kutsche, begleitet von ihrem Gefolge in vier weiteren Kutschen und zahlreichen Begleitpferden in die Arena einfuhr und den Zuschauern beim Passieren der Tribünen in der „Her Majesty’s“ eigenen, in aller Welt bekannten Art zuwinkte.

Spätestens jetzt wurde Ralf Suerland klar, warum auch für ihn die strenge Kleiderordnung, nämlich Cut und Zylinder, vorgeschrieben war, zwei Utensilien, die er zum Glück von einem Berufskollegen, der bereits einmal am „Meeting“ teilgenommen hatte, ausleihen konnte.  

Ernst wurde es schließlich für den Trainer aus Köln, als sein Pferd Martello an den Start geführt und auf die Distanz von einer Meile geschickt wurde.

Aufgrund der voran gegangenen Erfolge, besonders wegen des Sieges beim Mühlens-Rennen auf der Bahn in Köln-Weidenpesch, welches Martello locker mit sechs Längen Vorsprung für sich entscheiden konnte, und weil der Trainer fest an die Stärke des Galoppers glaubte, fasste man in der Domstadt den Mut, den Hengst für Ascot nachzumelden. Es stellte sich heraus, dass diese Entscheidung richtig war: In dem mit 10 Hengsten gestarteten Rennen errang der für die Briten als krasser Außenseiter gestartete einzige deutsche Teilnehmer einen viel beachteten 3. Platz.  

Bevor Ralf Suerland sich für die Tätigkeit als Trainer entschied, war er selbst ein erfolgreicher Jockey. Der Junge aus dem Kohlenpott wurde 1950 in der Zechenstadt Castrop-Rauxel geboren. Sein Vater arbeitete als Schweißer unter Tage, Ralf selbst machte eine Lehre als Uhrmacher, hat aber danach nicht in diesem Beruf gearbeitet.

Das Schicksal hatte etwas anderes mit ihm vor. Mit 17 Jahren, also 1967, saß er eines Tages im Sessel und sah im Fernsehen die „Wahl des Galoppers des Jahres“. Während der Sendung erging der Hinweis, dass junge Leute von nicht allzu robuster Statur und geringem Körpergewicht als Nachwuchsjockeys gesucht wurden. Suerland besann sich auf sein Gewicht von 46 kg und bewarb sich um eine Lehrstelle als Jockey. Die Bewerbung hatte Erfolg. Am 2. Januar 1968 begann er bei dem damals zu den besten deutschen Trainern zählenden Sven von Mitzloff seine zweite 3-jährige Ausbildung, nämlich die zum Jockey.

Nach dieser Ausbildung „tingelte“ er, wie er selbst sagt, von einem Rennstall zum anderen, erste Siege stellten sich ein, die auch dem damaligen Kölner Erfolgstrainer Heinz Jentzsch nicht verborgen blieben. Dieser war von Suerlands Talent überzeugt, und es kam zu einer 7-jährigen Zusammenarbeit mit zahlreichen Siegen, unter denen die herausragendsten wohl 1976 der Sieg in Hamburg beim Deutschen Derby auf Stuyvesant und der 1. Platz beim „Großen Preis von Europa“ auf Ebano 1977 in Köln waren.  In seiner 23-jährigen Laufbahn als Jockey konnte Ralf Suerland beachtliche 707 Siege erringen.

Nach Abschluss dieser von Erfolgen gekrönten Zeit hatte Ralf Suerland das Glück, beim Rennstall Rosenbusch in Köln als Trainer von 9 Pferden eingestellt zu werden. Vor 12 Jahren hat er diesen Stall übernommen und ist heute mit 10 Mitarbeitern und einem Jockey für durchschnittlich 45 Pferde verantwortlich, darunter der zur Zeit erfolgreiche Martello, mit dem Ende Juni auch der „Große Porsche-Preis“ in Berlin gewonnen werden konnte.  

Die Organisation des eigenen Rennstalls macht natürlich auch Stress, besonders die Wahrnehmung der anstehenden Termine auf den Rennbahnen Europas an Wochenenden oder, wie vor zwei Jahren, die Teilnahme an einem Rennen in Tokio, wo das von ihm betreute Pferd „Proud Wing“ vor einer Kulisse von 150.000 Zuschauern den Sieg errang.

Bevor Ralf Suerland vor 5 Jahren mit seiner Familie in Esch sesshaft wurde, hatte er jeweils 9 Jahre lang in Auweiler und Langel gewohnt. Sein Domizil in Langel hat er aufgegeben, weil sein Haus zweimal durch den gewaltig über die Ufer tretenden Rhein unter Wasser stand.

Gerne erinnert er sich an die Zeit in Auweiler und an die Gaststätte „Alt-Auweiler“, wo er oft nach Rennen in Köln mit seinen Jockeykollegen in fröhlicher Runde zusammen saß, mit dem 3-fachen Derby-Sieger und heutigen Trainer in Frankfurt a.M., David Richardson, mit Lutz Mäder, heute sportlicher Leiter des Krefelder Rennvereins und mit „Hanemann“ Hans-Albert Blume, dem derzeitigen Trainer im Gestüt Röttgen.

Gedanken macht sich zur Zeit Suerland darüber, woher wohl sein jüngster Sohn Marvin das Talent hat; denn der 16-jährige wird am 1. September beim Vater eine Ausbildung zum Jockey beginnen.