Aus "Esch Aktuell" Nr. 98/April 2000

Aus Schulkindern wurden Fröhliche Schlucker

25 Jahre Gruppe im Escher Karnevalszug

Als 1975, es war wohl im Januar, Peter Schmitz im "Heideröslein" Willi Becker fragte, ob er dessen VW-Bus als Bagagewagen für eine als Schuljungen kostümierte 25-köpfige Fußgruppe junger Leute im Escher Karnevalszug geliehen haben könne, hatte der Satz "Ihr könnt natürlich auch mitmachen" ungeahnte Folgen. 
Der Wagen stand zur Verfügung, und Willi Becker schloss sich mit seinem Freund Friedhelm Tüting als Schuljungen mit Ranzen und Schultüten nicht nur der Gruppe an, sondern von der Zeit an nahmen beide in jedem Jahr am Zug teil. 
Wenige Wochen nach Karneval desselben Jahres, beim gemeinsamen Essen zur Nachlese in der früheren Gaststätte "Alt-Auweiler" wurde nämlich entschieden, weiter zu machen und möglichst aktuelle Themen für die Kostümierung zu berücksichtigen.
War 1975 die allgemeine Feststellung "viele Schüler, zu wenige Lehrer an der Escher Schule" der Hintergrund für das Gruppenmotto "Im Stundenplan gibt's Gerangel, schuld dran ist der Lehrermangel", so lieferte im Jahr drauf die starke Geruchsbelästigung durch die für das an Einwohnern und Häusern rapide gewachsene Esch zu gering dimensionierte Kläranlage das Thema "Duftwolke". Weitere Themen waren die "Nachtschicht" der Schlafmützen, die "Escher Müllmänner" als Persiflage auf die städtische Neuregelung des Abholens von Sperrmüll auf Bestellkarte, "Moulin Rouge", weil jemand bei einer Verlosung der Dorfgemeinschaft eine Reise nach Paris gewonnen hatte, oder die "Gärtner vom Nah-Erholungsgebiet", welches in großartigen Plänen vorgestellt wurde, bis heute aber nur zu einem Teil realisiert ist. 
Personell hatte sich die Gruppe nach den ersten fünf Jahren verändert: Leute der ersten Jahre schieden aus, neue kamen dazu, ein Stamm jedoch bleib. Vier Wochen nach Karneval 1980 traf man sich in gewohnter Weise zur Nachbetrachtung beim Essen in "Alt-Auweiler". Bei reichlichem Rotweinkonsum entstand der Gedanke, die Gruppe müsse einen festen Namen erhalten. Da Willi Becker inzwischen die Leitfigur war, schlug jemand vor "Willi Becker und Co, Sackgassezwo", aber der Rotwein gab schließlich den Ausschlag für den Namen "Fröhliche Schlucker".
Nichts wurde nun mehr dem Zufall überlassen. Es wurde geplant, abgestimmt, organisiert. "Seoul-Medaillen für Esch", "Struwwelpeter", Tschernobyl - "Zwischen Leber und Milz passt immer ein Pilsz", "Kosaken-Olympiade" in Moskau und selbst "Aerobic" wurden zu Themen.
Mindestens vier Frauen waren jährlich mit Entwerfen und Nähen von Kostümen beschäftigt, am häufigsten die Damen Beyer, Becker, Tüting, Krain und Tepper. Am Abend vor dem Zug hieß es bis vor zwei Jahren "Antreten zum Strüßjerbinge!", wobei man sich heute noch gerne an die zur Stärkung der Fleißigen von Edeltraud Krause zubereiteten Suppen erinnert. Für die mottobezogenen Aufbauten auf dem Kleinbus zeichnete jahrelang Friedhelm Tüting verantwortlich, tatkräftig unterstützt von Reiner Krause.
Der erste Großwagen wurde 1993 zur Gruppe "Biene Maja" gebaut, es folgten weitere zu den Gruppen "Dinosaurier", "Asterix und Obeliks", "Mexikaner" mit Original-Ponchos und Sombreros von einem mexikanischen Markt, "Clowns rot-weiß" im Jahr, als die Fröhlichen Schlucker mit Rolf Klein, Joseph Lüpschen und Paul Wild das Escher Dreigestirn stellten, wie auch zu den Gruppen "Indianer", "Zigeuner" und in diesem Jahr "Millenium Clowns". 
Gerne denken die "Schlucker" Heute noch zurück an 1989, als Esch sein 1000-jähriges Bestehen feierte und sie in weiser Voraussicht als Wildschützen am Zug teilnahmen. Sie hatten nämlich die Zusage, dass zur Kirmes die Hubertus-Bläser Ankum-Bersenbrück dem Festgottesdienst mit ihrer Waldhornmusik eine besondere Note verleihen würden, was auch eintraf.
In Bezug auf die personelle Stärke der Gruppe sind die Fröhlichen Schlucker im Laufe der Jahre Schwankungen ausgesetzt gewesen. Heute besteht die Gruppe aus 34 Erwachsenen und 5 Kindern. Zu den Erwachsenen zählen sogar zwei Paare aus Kaiserslautern und Ludwigshafen, die eigens zum Karneval nach Esch kommen, um am Umzug teilzunehmen. Die höchste Teilnehmerzahl der Zuggruppe belief sich auf 44.
Einmal im Jahr treffen sich die "Schlucker" auch zu einem außerkarnevalistischen geselligen Beisammensein wie beispielsweise zur Grillparty. Ein außerordentliches Erlebnis, woran man sich heute noch gerne erinnert, war eine zünftige Fahrt an die Mosel. 
Wir gratulieren der Karnevalszuggruppe "Fröhliche Schlucker" herzlich zu ihrem 25-jährigen Bestehen und können sicher sein, dass sie auch in den nächsten Jahren wieder mit schönen Großwagen und farbenfrohen Gruppen zu den Highlights unseres Karnevalszugs zählen wird.