Aus "Esch Aktuell" Nr. 96/August 1999

Lehren - Versuchen - Beraten

ein guter Nachbar, die Lehr- und Versuchsanstalt der Landwirtschaftskammer Rheinland in Auweiler

Die Bezeichnung "Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenau, Berufskolleg für Gärtner und Floristen der Landwirtschaftskammer Rheinland Auweiler-Friesdorf" ist ohne Zweifel zu lang für den täglichen Sprachgebrauch. Deshalb sprechen die Bewohnerinnen und Bewohner von Esch und Auweiler schlicht von der "Versuchsanstalt", wenn sie die Einrichtung an der Gartenstraße meinen.
In der Tat war der Beginn in Auweiler im Jahr 1966 der Bau einer Versuchsanstalt für den Obstbau, 1975 erweitert für den Gemüseanbau. Damals konnte niemand ahnen, zu welcher geschätzten und gefragten Institution sich die "Obstplantage", wie dieselbe im Volksmund auch genannt wird, bis zum heutigen Tag entwickeln würde.
Die heutige Einrichtung hat eine fast 80-jährige Geschichte, die zurückgeht auf die Gründung einer gärtnerischen Versuchsanstalt in Friesdorf bei Bad Godesberg im Jahre 1920 und die dort kontinuierlich um weitere Sektionen ergänzt und ausgebaut wurde.
Richtig interessant wurde Auweiler, als 1980 das gesamte Friesdorfer Gelände durch Kaufvertrag an den Bund ging und der Kölner Vorort dem Ort Ettenhausen als neuer Standort vorgezogen wurde. Laut Vertrag blieben für die Verlegung sechs Jahre Zeit, die allerdings zügig genutzt wurden.
Nach dem Planungsbeginn in 1982 wurde bereits 1983 der erste Spatenstich getan, am 8. November 1984 wurde der Grundstein gelegt, 1985 waren die Versuchsanlagen für den Zierpflanzenbau und die Baumschule fertig gestellt, und 1986 konnte der gesamte Umzug von Friesdorf mit der offiziellen Einweihung in Auweiler am 11. Juni abgeschlossen werden. 
Anlässlich ihres 60-jährigen Jubiläums erwirkten die "Ehemaligen Friesdorfer" durch eine Resolution an die Direktion der Landwirtschaftskammer, dass der traditionelle Name "Friesdorf" auch in Auweiler beibehalten wurde. 
Die ersten Meisterprüfungen in Auweiler für Gärtner und Floristen wurden 1987 abgelegt, verbunden mit einer Ausstellung der praktischen floristischen Meisterarbeiten, die unter dem Namen "Flor 87" von 5.000 Gästen besucht, bewundert und von da an zu einer jährlichen Veranstaltung wurde.
Fachschule, Versuchswesen und Beratung sind die drei Säulen, auf denen die erfolgreiche Arbeit der traditionsreichen aber auch zukunftsorientierten Lehr- und Versuchsanstalt steht.
Fachschule:
Das Bildungsziel der überregionalen Ausbildungsstätte Auweiler-Friesdorf ist die Ausbildung junger Menschen zu wirtschaftlich flexiblen Führungskräften mit Fachkompetenz in den jeweiligen Sparten Baumschule, Floristik, Gemüse- und Obstbau sowie im Zierpflanzenbau, d.h. die erfolgreiche Ablegung der Meisterprüfung oder seit einigen Jahren auch der Wirtschafterprüfung nach einem Vollzeitschuljahr. Voraussetzung für die Bewerbung zur Meister- bzw. Wirtschafterprüfung ist die Gehilfenprüfung und eine mindestens dreijährige praktische Gehilfentätigkeit.
Die Meisterprüfung für Gärtner wird von Prüfungsausschüssen der Landwirtschaftskammer Rheinland, die für Floristen von einer Kommission der Industrie -und Handelskammer abgenommen.
Die Wirtschafterprüfung wird vor einer staatlichen Prüfungskommission der Bezirksregierung Köln abgelegt. 
Ganz neu hinzugekommen ist der halbjährige Fortbildungsberuf zum geprüften Kundenberater für Endverkaufsbetriebe und Gartencenter.
Erfolgreiche Absolventen der Fachschule in Auweiler sind auf dem neuesten Stand zukunftsorientierter Produktionsverfahren, haben umfangreiche Kenntnisse über erfolgversprechende Vermarktungsstrategien und Fähigkeiten in der Unternehmens- und Mitarbeiterführung.
Versuchswesen:
Zahlreiche Versuche in den unterschiedlichen Sparten sind in der langjährigen Auweiler-Friesdorfer Geschichte gemacht und erfolgreich abgeschlossen worden. Grundlegende Versuche aus der jüngeren Zeit sind die zur Abwärmenutzung im Projekt "Agrotherm" und zum ökologischen Anbau bei Äpfeln und Gemüse, welche die Versuchsanstalt Auweiler weit über das Rheinland hinaus bekannt gemacht haben. 
Aktuell sind Versuche zur umweltgerechten Pflanzenproduktion wie z.B. die kontrollierte Stickstoffdüngung, die Reduzierung des Einsatzes von Herbiziden durch Mulchverfahren, der Einsatz von Grünkompost sowie der biologische Pflanzenschutz.
Schwerpunkte der Versuchsarbeit heute sind im Obstbau neue Anbausysteme, neue Sorten, ökologischer Anbau bei Äpfeln; im Gemüsebau Fruchtfolgen und Kulturverfahren im integrierten Anbau, ökologischer Anbau im Freiland und unter Glas; im Zierpflanzenbau Topfpflanzen mit allen Aspekten, "neue Zierpflanzen", Freiland-Schnittblumen; auf dem Sektor Baumschule gibt es Versuche zur Allee-Baum-Kultur sowie zur Düngung und Bewässerung von Gehölzen im Freiland.
Beratung:
In der Geschichte Auweiler-Friesdorfs hat die Beratung seitens der Versuchansteller und Lehrer durch Publikationen, Vorträge und Führungen schon immer einen beachtlichen Stellenwert gehabt. Nicht selten besinnen sich ehemalige Schüler darauf, bei ihren früheren Dozenten Ratschläge einzuholen.
Seit 1993 gibt es in Auweiler ein Gartenbauberatungszentrum, das den Erwerbsanbauern im Regierungsbezirk Köln, zum Teil auch im gesamten Rheinland, zur Verfügung steht.
Grundsätzliche Zielsetzung der Beratung sind leistungsfähige rheinische Gartenbaubetriebe, umweltschonende Produktion, qualitativ hochwertige Produkte und Dienstleistungen. Das Angebot ist vielseitig und reicht von der spartenorientierten Betriebs-, Investitions- und Finanzierungsberatung über die Beratung in der Gewächshaus-, Bewässerungs- und Produktionstechnik bis zu Laboruntersuchungen in der Form von Boden-, Substrat-, Wasser-, Saatgut- und Pflanzenanalysen.
Neueste Angebote der Beratung sind das "grüne Telefon" zur fernmündlichen Einholung von Ratschlägen und Hilfen und das 1999 eingerichtete "Info-Center Garten und Pflanzen" für Hobbygärtner mit einem neu angelegten Demonstrationsgarten.
Dieser Demonstrationsgarten dürfte dem aufmerksamen Fernsehzuschauer durch die Sendungen "Service Zeit Garten" im WDR und "ARD-Ratgeber Garten und Heim" bekannt sein, zwei TV-Angebote mit einer Gesamtsendezeit von 15 Stunden, moderiert von Frau Ulrike Lindner aus der Gartenstraße in Auweiler.
Selbst die jüngsten Mitbürgerinnen und Mitbürger sind nicht vergessen. Mit der Einrichtung des "grünen Klassenzimmers" werden für Grundschulen und Kindergärten Angebote gemacht, um den Kindern die Möglichkeit zu bieten, die Zusammenhänge zwischen Natur und Ernährung zu erfahren. Sie können Kulturpflanzen bestimmen, den Anbau im Garten und Gewächshaus sehen, selber pflanzen, Wachstumsfaktoren und Pflegemaßnahmen kennen lernen., Produkte probieren und natürlich erfahren, wo die beliebten "Pommes" wachsen.
Der Lehr- und Versuchsanstalt steht ein Areal von 6.500 qm an Glas- und 30 ha an Freilandfläche zur Verfügung., welches im Volksmund der Kürze wegen auch weiterhin "Versuchsanstalt" oder "Obstplantage" genannt werden wird.