Aus "Esch Aktuell" Nr. 91/Dezember 1997

Adieu, Zacheies!

Die Abschiedsrede für den Zachäus, der in diesem Jahr vom amtierenden Escher Dreigestirn, Karl-Heinz Seidel, Werner Wingen und Klaus Wefelmeier, gestellt wurde.

Liebe Trauergemeinen!
Mit tiefgeneigten Häuptern stehen wir hier auf "humo historico", auf geschichtsträchtigem Humus, in welchem die "Esch" so mancher der Vorfahren desjenigen, von dem wir nun wehklagend Abschied zu nehmen haben, Aufnahme gefunden hat zur ewigen Ruhe.
Auch ihn, den wir in den letzten drei Tagen liebgewonnen haben, machen wir nun, so verlangt es althergebrachter Brauch, zum staubigen Überrest durch diese lodernden Flammen, zum Relikt, welches in "kölscher Sproch" phonetisch dem Namen des Ortes gleicht, an dem wir unsere Hütten gebaut. Wir machen ihn durch das Feuer zu "Esch".
Es verwundert nicht, daß unsere jährliche tiefe Trauer am Ende der Kirmes bereits vor langer Zeit Anlaß gab, dem für den Rheinländer wohl traurigsten Tag im Jahr nach diesem unserem Ort den Namen "Eschermittwoch" zu geben. 
"Namen est Zachaeus", an den Tagen der Asche, wohin sich unsere Kirmes zu entwickeln droht, heißt du "Zacheies". Du, der Zacheies 1997, warst etwas Besonderes ,hattest du doch einen Prinzen und einen Bauern als Väter und eine Jungfrau, fast keusch und kaum befleckt, zur Mutter. Du warst für kurze Zeit "das Wunder von Esch"!
Und so taufte man dich auf den Namen "Kalwerclau", standesgemäß sogar auf "Zacheies Kalwerclau vum Eschdrei", die adlige Kurzform für "Zacheies Kalle, Werner, Claudia vum Escher Dreijesteen".
Und nun darfst du dich, "Zacheies Kalwerclau vum Eschdrei" feierlich in deine "Einescherung" begeben, wobei zu beachten ist, daß es sich hier und heute um eine "Einescherung" und nicht um eine "Einpescherung" handelt.
Lieber Zacheies Kalwerclau, wir, die wir im Interesse von Gemeinsinn "gemein sin künne" und auch traurig, also wir, die Trauergemeinen, nehmen nun mit zährentriefenden Augen Abschied von dir und senden deine verrußte Seele auf die weite Reise zu den ewigen Gefilden der Popanze, Nubbele und Zacheiesse.
Grüße die Seelen deiner Escher Vorfahren von uns, dem Häuflein Aufrechter, die immer noch versuchen, die Kirmes in Esch zu erhalten. Sage ihnen nichts über diejenigen, die aus Bequemlichkeit, Gedankenlosigkeit oder Mangel an Gemeinsinn "absentia maxima et ignorantiamaxissima" pflegen und langfristig möglicherweise dem Exodus der Escher Kirmes den Weg bereiten. Spätestens am Tage des jüngsten Gerichts werden sie Rechenschaft abzulegen haben trotz des zu erwartenden Versuchs, wieder einmal anderen die Schuld zuzuweisen.
Oremus, Oramus, o Prummemus!
Zachaee, habemus tragenti corpus tuum ex tento festico!
Te transgebemus nunc ad flammas de fine cirmessae eschae. 
Ora pro nobis et omnibus bonae voluntatis et pro existencia cirmessae nostrae, per omnia secula seculorum!
Amen - de hilf dat jet!
Liebe Tauergemeinen, seid nun gesegnet mit dem eiligen Restquell aus Kölsch, Wein, Cola, Limo und Aqua minerale, alles gut gefiltert durch leidlich funktionierende menschliche Organe und eben frisch geschöpft aus dem Wagen der Erlösung von drängenden Bedürfnissen.
Venite in anno proximo!
Ite, missa est!
Pax, wo bis du?
P.S.: Es ist ohne weiteres möglich, daß eingefleischte Altphilologen Probleme haben werden mit der Orthographie und Grammatik des modernen Lateins. Machen Sie sich nichts draus!