Die KölnBäder GmbH hatte den Escher See zwischenzeitlich gesperrt.
VON GILBERTO BRULETTI
Esch - Der Jahrhundertsommer ist vorbei, die Diskussionen um den Escher See dauern jedoch an. Nach 15 Jahren war der Strand in diesem Jahr von der KölnBäder GmbH geschlossen worden - unter anderem mit dem Hinweis, der laufende Betrieb könne angesichts knapper Kassen nicht mehr finanziert werden. Erst Ende August war das Gewässer an den Wochenenden wieder zugänglich. Jetzt drängt sich die Frage nach dem "Wie geht es im nächsten Jahr weiter?" auf, die Bezirksvorsteher Hans Heinrich Lierenfeld auf der Sitzung der Chorweiler Bezirksvertreter beantwortete: "Es gibt einen Interessenten, der bereit ist, den Escher See als Betreiber zu übernehmen."
Dieter Sanden, Leiter des Sportamtes und damit auch zuständig für den See, erhöhte die Anzahl der Interessenten sogar auf drei. "Sie werden uns ihre Pläne in nächster Zeit vorstellen. Ich hoffe, dass wir einen privaten Betreiber finden und das Thema noch in diesem Jahr zum Abschluss bringen können." Hierzu muss allerdings die Bezirksregierung ihr Einverständnis geben. Denn die förderte das Strandbad in den 80er Jahren mit Landesmitteln in Höhe von rund 1,35 Millionen Mark. Allerdings nur unter der Bedingung, den Escher See der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. In Gesprächen jüngeren Datums signalisierte die Behörde jedoch, dass dies nicht grundsätzlich dem Vorhaben im Wege stehen müsse, künftig Eintrittsgeld zur Deckung der Kosten des Strandbades zu erheben.
Unternehmer, die bereits als Betreiber von Badeseen tätig sind, sehen die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen, in die zunächst in erheblichem Maß investiert werden muss - etwa für sanitäre Anlagen - nur unter bestimmten Umständen gewährleistet. Andreas Schirmer beispielsweise, der seit mehr als einem Jahrzehnt den Heider Bergsee in Brühl bewirtschaftet, erläuterte auf Anfrage des Kölner Stadt-Anzeiger, welche Probleme auftauchen könnten: "Innerhalb von vier Monaten muss ein Konzept umgesetzt werden, um die Jahreskosten aufzufangen. Mit einem Strandbad alleine dürfte das schwierig werden." Schirmer löste das Problem, in dem er Camper und ein Restaurant auf sein Gelände holte, die als Einnahmequellen ganzjährig zur Verfügung stehen. Camping kommt am Escher See jedoch nicht in Frage, weil die Fläche zu klein ist.
Sollte der Versuch scheitern, die Naherholungsanlage mit einer Strandlänge von rund 200 Metern zu privatisieren, wäre nach wie vor die KölnBäder GmbH in der Pflicht. Gesichert wäre der Badespaß im kommenden Jahr damit allerdings nicht - und die Szenen, die sich seit der Sperrung in diesem Sommer abgespielt haben, würden sich vermutlich wiederholen. Für viele Sonnenhungrige nämlich hatte das Baderverbot kein Hindernis dargestellt. Sie ignorierten die Verbotsschilder und kletterten über Absperrungen, um ans kühle Nass zu kommen. Das hartnäckige Bemühen der Bezirksvertretung führte schließlich dazu, dass der Badestrand zumindest an den Wochenenden - und unter Aufsicht - geöffnet werden konnte.