Kölner Stadt-Anzeiger, 21.04.2005

Den Rettungsring ausgeworfen

Investoren wollen Gelände am Escher See wieder für den Badebetrieb herrichten.

VON JULIA KACZMAREK

Kommt der Vertrag zustande, planen die potenziellen privaten Geldgeber, künftig Eintritt in Höhe von zwei Euro zu erheben.

Die Chancen stehen gut, dass der Escher See im Juni wieder für den Badebetrieb geöffnet wird (Bild Kaczmarek)

Esch - Ein blockiertes Drehkreuz versperrt den Zugang zum Escher Badesee. Links und rechts davon schlängelt sich ein etwa zwei Meter hoher Zaun entlang des Geländes. Zuletzt konnten sich die Kölner im Sommer 2003 im kühlen Nass des Baggersees vergnügen. Dann stellte die Stadt den Badebetrieb aus finanziellen Gründen ein. Doch jetzt gibt es große Hoffnung für alle Wasserratten - vielleicht wird der See schon von Mitte Juni an wieder geöffnet.

Das Sportamt und ein privates Investoren-Konsortium stehen kurz davor, einen Vertrag für ein neues Betreiber-Konzept zu unterzeichnen. "Die letzten Gespräche laufen zurzeit, aber grundsätzlich brauchen wir nur noch die endgültige Zustimmung der Investoren", erklärte Horst Meyer vom Sportamt. Auch von Investoren-Seite sind zuversichtliche Töne zu vernehmen: "Mit großer Wahrscheinlichkeit wird in den kommenden zwei Wochen alles unter Dach und Fach gebracht werden", erklärte Julius Knappertsbusch von der IBK-Management für Baufragen. Die Firma berät die potenziellen Geldgeber und hat mit ihnen das der Stadt vorgelegte Konzept erarbeitet.

Im Falle der Vertragsunterzeichnung hat das Konsortium folgendes geplant: Von Mitte Juni bis Mitte September dieses Jahres wird der See jeweils am Freitagnachmittag, samstags und sonntags für den Badebetrieb geöffnet. Gratis ist der Badespaß - anders als noch im Sommer 2003 - dann allerdings nicht mehr. Zwei Euro kostet der Eintritt pro Person, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Die Aufsicht übernehmen ehrenamtliche Kräfte eines Wasserrettungsdienstes, etwa der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). "Weil diese Leute nur am Wochenende zur Verfügung stehen, müssten die Badezeiten darauf beschränkt werden", so Meyer. Einen hauptamtlichen Bademeister, der zusätzlich an den Wochentagen Aufsicht führen würde, könnten sich die Investoren im kommenden Sommer vermutlich noch nicht leisten.

Neben der Öffnung des Badestrandes sieht das Konzept des Investoren-Konsortiums außerdem den Umbau des ehemaligen Wiegehauses - darin wurden früher mit Kies beladene Lkw gewogen - vor. Das alte Gebäude im Eingangsbereich des Badesees soll zu einem Restaurant mit Außenterrasse umgestaltet werden. Im Kellerbereich sollen sanitäre Anlagen, ein Kiosk und Umkleideräume entstehen. Die Arbeiten könnten allerdings frühestens im Herbst abgeschlossen werden, erklärte Meyer, die neuen Räumlichkeiten deshalb erst im Sommer 2006 genutzt werden. Insgesamt würde der Umbau mehr als eine halbe Million Euro verschlingen, erklärte Julius Knappertsbusch. Die Frage, ob die Investoren ein rein wirtschaftliches Interesse am Escher See hätten, verneint Knappertsbusch ausdrücklich: "Vielmehr liegt es ihnen am Herzen, dass die Menschen den schönen Badesee in ihrer Freizeit wieder nutzen können."

Vielleicht können alle Wasserratten also schon bald wieder ganz bequem das Drehkreuz zum Escher See passieren. Im Sommer vergangenen Jahres - als der offizielle Eingang verschlossen blieb - waren viele Badewütige kurzerhand über den Zaun gestiegen, um ans kühle Nass zu gelangen.