Kölner Stadt-Anzeiger, 08.08.2002

VON OLIVER GÖRTZ

Ein kölscher Molière

Escher KFD-Schauspieltruppe inszenierte Klassiker neu

"Der gesunde Kranke" ist die moderne Version des französischen Lustspiels.

Mit der liebevollen Inszenierung traf Schumacher den Geschmack der Escher



Die Angst vorm Tod hält ihn am Leben: Oswald Schumacher spielte den Hypochonder Theo Althöffer im Lustspiel "Der gesunde Kranke" (Bild: Görtz)

Esch - Das Fieberthermometer zeigt die grausame Wirklichkeit an: 37,2 Grad Celsius. "Komma zwei", schreit Theo Althöffer panisch auf, "ich muss eine Entzündung im Körper haben - nur welche?" Der Briefträger im Ruhestand nestelt hektisch an einem medizinischen Nachschlagewerk und sucht darin mit zittrigen Händen die Antwort auf die Frage, welch "schlimmes Gebrechen" ihn nun wieder plage. Althöffer ist der Hauptfigur im Lustspiel "Der gesunde Kranke", das die Theatergruppe der Escher Abteilung der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) im Martinushaus in Esch aufführte.

Heidi Größchen, Lehrerin am Gymnasium Weiler, hat Molières "Der eingebildete Kranke" in Details umgeschrieben und die ursprünglich im Frankreich des 17. Jahrhunderts spielende Komödie ins heutige Köln transportiert. So treten die Escher Laienschauspieler schon mal aus einer Szene ab mit den Worten: "Ich gehe jetzt ins Fitness-Studio." Aus Molières pfiffiger Hausangestellten Toinette wird bei Größchen schlicht Billa (gespielt von Romie Esser).

Althöffer (Oswald Schumacher) leidet also. Das heißt: er glaubt zu leiden, denn seine Schmerzen sind reine Fiktion. Der von Medizinfläschchen und Pillendöschen umgebene Ruheständler ist ein notorischer Hypochonder und tyrannisiert seine Umgebung mit immer neuen Scheinkrankheiten. Man lässt mich hier verkommen", krakeelt Althöffer und verlangt penetrant mit kölsch gefärbtem Jammertonfall nach Medikamenten und Zuwendung. Die intrigante Nachbarin Emilie Knöterich (Mechthilde Birrenbach-Heik) möchte aus diesem Zustand Kapital schlagen und versucht alle Beteiligten gegeneinander auszuspielen. Einzig Althöffers Tochter Lisbeth (Doris Groß) steht zu dem alten Querulanten. Ihre Treue wird schließlich dadurch entlohnt, dass sie zu ihrer heimlichen Liebe, dem Arzt Peter Steinfeld (Thomas Orbach), findet.

Oswald Schumacher spielte nicht nur die Hauptrolle, sondern führte auch Regie. Mit seiner liebevollen Inszenierung traf er genau den Geschmack der Escher: Beide Vorstellungen waren mit je 150 Theaterfans ausverkauft. Dass bei einem KFD-Ensemble auch Männer aktiv sind, ist für Kirsten Gerwens überhaupt kein Problem. "Ein Frauenstück ohne männlichen Liebhaber kann ich mir nicht vorstellen", schmunzelte die Sprecherin der Escher Kirchengemeinde St. Martinus.