Kölner Stadt-Anzeiger, 8.8.2003

Gratis-Badespaß bald wieder erlaubt

Die Verbotsschilder am Escher See werden schon bald entfernt. Das Gewässer wird in einen Schwimmer- und Nichtschwimmer-Bereich aufgeteilt.

VON GILBERTO BRULETTI

Esch - Das kostenlose Badevergnügen im Escher See wird nach mehr als zweimonatiger Sperrung in Kürze wieder erlaubt. Diese Entscheidung ist das Ergebnis einer Begutachtung des Sees durch die Fraktionsspitzen von CDU, SPD und Grünen, die KölnBäder GmbH, das Sportamt sowie Verantwortliche des Zweckverbandes Stöckheimer Höfe. Anfang Juni hatte die Stadt den See geschlossen, um das Geld unter anderem für Reinigung und Aufsichtspersonal zu sparen - ein Beitrag, um das Haushaltsloch zu stopfen. Nun aber darf dort bald wieder an den Wochenenden gebadet werden - vorher muss jedoch noch für die Sicherheit der Wasserratten gesorgt werden. Viele Schwimmfreunde hielten sich bisher nicht an das Verbot und badeten dort einfach wild, was aber mit Gefahren verbunden war.

Eine Untersuchung der Ökologie-Tauch-Gruppe - Tauchsportler aus verschiedenen Kölner Clubs kümmern sich um die Qualität Kölner Gewässer - hat bestätigt, was schon seit längerem befürchtet wurde: Unterspülungen, so genannte Wasserlöcher, im See. Entstanden sind sie möglicherweise durch variierende Wasserstände, also den Wechsel von Hoch- zu Niedrigwasser in diesem Jahr. Teile des Untergrundes in Ufernähe sanken von 1,40 Meter auf bis zu sechs Meter ab. Eine große Gefahr vor allem für Kinder, Nichtschwimmer und ungeübte Badegäste, die plötzlich den Grund unter den Füßen verlieren könnten. Horst Meyer, Leiter des Bürgerzentrums Chorweiler: "Die Taucher werden sich den See jetzt genau vornehmen, um die Gefahrenquellen, also jene Unterspülungen, auszumachen. Mit Pflöcken und Markierungen werden wir dann den See in einen Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich unterteilen." Mit den Arbeiten - sowie auch mit dem Reinigen des Ufers - wurde bereits begonnen. 

Läuft alles weiter nach Plan, dann ist bei anhaltend guter Witterung mit einer Öffnung an den Wochenenden von Samstag an, 16. August, 10 Uhr, zu rechnen. Überwacht wird das Badevergnügen von Mitarbeitern des Sportamtes sowie der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG). Mit der Öffnung des Sees an Samstagen und Sonntagen verhindert die Verwaltung das unbeaufsichtigte wilde Baden zumindest an diesen Tagen. Wie es allerdings im kommenden Jahr weitergeht, vermochte der Chorweiler´ Bezirksvorsteher Hans Heinrich Lierenfeld nicht zu sagen: "Für 2004 wird noch ein Betreiber für den See gesucht. Ob dies die KölnBäder GmbH oder ein privater Pächter sein wird, steht in den Sternen." Dieter Sanden, Leiter des Sportamtes, ergänzte: "Um einen Privat-Investor interessieren zu können, muss die Bezirksregierung erst einmal entscheiden, ob für das Baden im Escher See ein Eintrittsgeld erhoben werden kann. Die Signale dafür sind jedoch positiv." Eine Pacht fällt für den zukünftigen Betreiber indes nicht an. Wohl aber ein Auflagenkatalog, der gewährleisten soll, dass vor allem in puncto Hygiene und Sicherheit die Standards gesichert sind. Die Verwaltung würde es begrüßen, wenn künftig ein privater Betreiber den Badebetrieb regeln würde. Rund 120 000 Euro könnte die Stadt so sparen.

Wer erst mal ein Schlupfloch in Zäunen und Toren entdeckt hat, gelangt schnell ans kühle Nass des Escher Sees: So manche Wasserratte hat sich bisher vom Badeverbot nicht abschrecken lassen.   BILD: BRULETTI