Kölner Stadt-Anzeiger vom 17.1.2002

Die Rückkehr des Matriarchats in Esch: Bauer Bätes, Prinz Romio
und Jungfrau Cäcilie (von links)
"Wie im Leben: Wenn die Kääls es nicht schaffen, müssen die Wiever ran", schmunzelte Romie Esser. Da sich in Esch kein männlicher Bewerber fand, hat sie sich kurzerhand bereiterklärt, in dieser
Session Prinz zu werden. Da die Erzieherin jetzt auch offiziell proklamiert wurde, trägt sie für die nächste Zeit den
Titel Prinz
Romio I, Das Dreigestirn wird komplettiert von Romios Schwester, dem Bauern Bätes (Beate Esser), und Jungfrau Cäcilie (Cilli Seidel).
Weibliche Oberhäupter haben im Escher Karneval Tradition. Schon oft hatten Damen hier das Zepter in der Hand. Zuletzt in der Session von 1982. Dem aktuellen Trifolium der Dorfgemeinschaft "Greesberger" Esch dürfte das Regieren nicht
schwer fallen - wie auch Prinz Romio sind Bauer sowie Jungfrau Erzieherinnen und daher gewohnt sich durchzusetzen. Ihre Tollität kündigte den drückebergenden Männern bei ihrer Antrittsrede schon mal eine harte Regentschaft an. Von "Frauenpower" war da die Rede, zudem möchte sie das
"Matriarchat wieder einführen". Die Lieblichkeit der Jungfrau, die Bodenständigkeit des Bauern und die Führungsqualitäten des Prinzen seien ohnehin eher weibliche Eigenschaften. Sich "Prinzessin" nennen - nein, so weit gehe der Feminismus dann doch nicht, lächelte das närrische Oberhaupt. "Das erinnert mich irgendwie an Mainzer Fastnacht und das muss ja nicht nicht
sein."
(og)