VON KAI SCHIRDEWAHN
Esch - "In unseren Gesprächsrunden ist jeder als Gast oder als Gesprächspartner willkommen, der etwas Interessantes zu erzählen hat. Ein Bezug zu Esch sollte aber schon existieren", beschreibt Gertrud Meinert das Konzept für die Veranstaltungsreihe "Talk unterm Turm". Die 45-Jährige ist Mitglied im Organisationsteam der Katholischen Frauengemeinschaft St. Martinus. Zum neunten Mal organisierte die Gruppe einen Abend mit verschiedenen Gästen im Saal der Pfarrgemeinde. Die Gesprächspartner werden nach bewährtem Rezept in der Vorankündigung nicht genannt, sind also Überraschungsgäste.
"Damit wollen wir erreichen, dass die Besucher sich ohne vorheriges Wissen auf das Forum einlassen und den Themen gegenüber offen sind", sagte Meinert. Die meisten Besucher waren überrascht, dass am Tisch der Moderatoren Josef Schuhmacher, Gila Wulf und Gertrud Meinert nicht nur bekannte Gäste aus Esch saßen, sondern auch die Profimusiker Markus Reinhardt und Janko Wiegand. Die beiden Sinti ließen es sich trotz ihres Auftrittes als Talkgäste nicht nehmen, den Abend auch musikalisch zu begleiten.
Das Publikum war schnell in den Bann der Musik gezogen. Die zwei boten sowohl Jazz, als auch traditionelle "Zigeunermusik" mit voller Hingabe und mit instrumentaler Perfektion; der Applaus wollte deswegen zeitweise nicht mehr aufhören.
Doch auch durchaus ernste Themen wurden von Josef Schuhmacher, der das Gespräch mit beiden leitete, angesprochen. So interessierte ihn insbesondere Vergangenheit und Geschichte der Sinti und deren Verfolgung durch den Nationalsozialismus. Markus Reinhardt sprach aus, was viele Deutsche in seinen Augen häufig vergessen. "Seit vielen Generationen leben Zigeuner, auch wir und unsere Familien, in Deutschland und führen kein anderes Leben als die Deutschen selbst."
Zu Wort kam auch der sportbegeisterte American-Football-Spieler Stefan Meinert (19) von den Cologne Crocodiles, der die Zuhörer über die Eigenheiten des Spiels informierte und von seiner Leidenschaft für diesen Mannschaftssport sprach. Auch Romie und Beate Esser waren Gäste der Gesprächsrunde im Turm. Beide sind seit mehr als 25 Jahren beruflich in der Kinderbetreuung in Esch aktiv. Gertrud Meinert sprach mit ihnen über die Herausforderungen in der Kindererziehung.
Dass diese Veranstaltung immer wieder Jung und Alt in den Gemeindesaal zieht, ist einleuchtend. Nicht nur, weil Eintritt und Getränke kostenlos sind. Die Kurzweiligkeit des Abends spricht ebenso dafür, wie die damit verbundene Spendenaktion für die Aidshilfe und die Organisation "Zartbitter", die sich gegen sexuellen Missbrauch von Kindern engagiert.