Kölner Stadt-Anzeiger, 29.04.2004

Ein Kölscher durch und durch

Mundartdichter Willi Nettesheim ist gestorben

Der gebürtige Lövenicher wurde auf dem Escher Friedhof beerdigt.

Bekannt war Willi Nettesheim für seine typische Mischung aus Leedcher und Verzällcher.

BILD: MAK

Esch - 70 Jahre alt wurde der ehemalige Ford-Ingenieur Willi Nettesheim, der am Ostermontag gestorben ist und mitten aus einem aktiven Leben als Mundart-Dichter gerissen wurde. Er begeisterte mit seinen selbst verfassten Texten "op kölsch" bei Lesungen in Buchhandlungen, Schulen, Pfarreien und Altersheimen über die Grenzen Kölns hinaus. Ende ergangenen Jahres trat er äußerst erfolgreich zusammen mit den Turmbläsern an St. Elisabeth aus Esch, seiner zweiten Heimat, im Theater am Sachsenring auf. Die eigenwillige Mischung aus "Rümcher, Verzällcher un Leedcher" und "Decke-Backe-Musik" war Teil der Reihe "Himmel un Äd" der Akademie för uns kölsche Sproch. Dort hatte der gebürtige Lövenicher, aufgewachsen mit dem kölschen Dialekt, Anfang der 90er Jahre eine Karriere als Mundart-Autor gestartet. Nach dem Kölsch-Diplom erhielt er 1998 eine ganz besondere Auszeichnung: In einer wissenschaftlichen Untersuchung der Kölsch-Akademie und des Landschaftsverbandes Rheinland wurde er aus 187 Kandidaten als bester Kölsch-Sprecher ermittelt. Zwei Bücher (1996 "Uns Levve es en Aachterbahn" und 2000 "No jeit et widder rund") veröffentlichte Nettesheim und war in zahlreichen weiteren Anthologien vertreten. "Sein plötzlicher Tod hat uns tief getroffen", sagt Jupp Schmidt, Leiter der Kölsch-Akademie. "Er ist der Akademie über all die Jahre treu geblieben, und wir haben besonders seine Bereitschaft schätzen gelernt, für Lesungen in sozialen Einrichtungen parat zu stehen, um den Lück jet Freud´ zo mache." Zudem habe er zum Erfolg der Veranstaltungsreihe "Himmel un Äd" beigetragen. "Willi Nettesheim hat am 26. September 1999 die erste Veranstaltung bestritten und sollte bei der 50. Vorstellung im September Ehrengast sein." 48 Jahre war Willi Nettesheim mit seiner Frau Ursula verheiratet und hat eine Tochter und eine Enkeltochter. Beerdigt wurde er auf dem Friedhof in Esch. (mak)