Mundartdichter Willi Nettesheim ist gestorben
Der gebürtige Lövenicher wurde auf dem Escher Friedhof beerdigt.
Bekannt war Willi Nettesheim für seine typische Mischung aus Leedcher und Verzällcher. BILD: MAK |
Esch
- 70 Jahre alt wurde der ehemalige Ford-Ingenieur Willi Nettesheim, der
am Ostermontag gestorben ist und mitten aus einem aktiven Leben als
Mundart-Dichter gerissen wurde. Er begeisterte mit seinen selbst
verfassten Texten "op kölsch" bei Lesungen in Buchhandlungen,
Schulen, Pfarreien und Altersheimen über die Grenzen Kölns hinaus.
Ende ergangenen Jahres trat er äußerst erfolgreich zusammen mit den
Turmbläsern an St. Elisabeth aus Esch, seiner zweiten Heimat, im
Theater am Sachsenring auf. Die eigenwillige Mischung aus "Rümcher,
Verzällcher un Leedcher" und "Decke-Backe-Musik" war
Teil der Reihe "Himmel un Äd" der Akademie för uns kölsche
Sproch. Dort hatte der gebürtige Lövenicher, aufgewachsen mit dem
kölschen Dialekt, Anfang der 90er Jahre eine Karriere als Mundart-Autor
gestartet. Nach dem Kölsch-Diplom erhielt er 1998 eine ganz besondere
Auszeichnung: In einer wissenschaftlichen Untersuchung der
Kölsch-Akademie und des Landschaftsverbandes Rheinland wurde er aus 187
Kandidaten als bester Kölsch-Sprecher ermittelt. Zwei Bücher (1996
"Uns Levve es en Aachterbahn" und 2000 "No jeit et widder
rund") veröffentlichte Nettesheim und war in zahlreichen weiteren
Anthologien vertreten. "Sein plötzlicher Tod hat uns tief
getroffen", sagt Jupp Schmidt, Leiter der Kölsch-Akademie.
"Er ist der Akademie über all die Jahre treu geblieben, und wir
haben besonders seine Bereitschaft schätzen gelernt, für Lesungen in
sozialen Einrichtungen parat zu stehen, um den Lück jet Freud´ zo
mache." Zudem habe er zum Erfolg der Veranstaltungsreihe
"Himmel un Äd" beigetragen. "Willi Nettesheim hat am 26.
September 1999 die erste Veranstaltung bestritten und sollte bei der 50.
Vorstellung im September Ehrengast sein." 48 Jahre war Willi
Nettesheim mit seiner Frau Ursula verheiratet und hat eine Tochter und
eine Enkeltochter. Beerdigt wurde er auf dem Friedhof in Esch. (mak)
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