Im Rahmen der lit.kid.cologne verlegten die Schüler die Geschichte vom arabischen Räuberhauptmann kurzerhand ins Siebengebirge.
VON OLIVER GÖRTZ
Chorweiler/Esch - Der grimmige Hauptmann der 40 Räuber steht vor einem mächtigen Berg. Mit donnernder Stimme spricht er den geheimen Satz, der die Tür zu seiner Höhle öffnet, in der unermessliche Schätze liegen: "Sesam dun dich op." Ein rheinischer Gangsterboss offenbar, und wie sich herausstellt, bewegt er damit auch kein arabisches Felsmassiv, sondern eine Steintür im Siebengebirge. "Ali Baba und die 40 Räuber op Kölsch", war der Titel des Kinder-Musicals, in dem die Banditen nicht richtig böse waren und der Titelheld mit Kölnisch Wasser handelt. 91 Dritt- und Viertklässler der Escher Grundschule Martinusstraße führten eine ganz spezielle Version des klassischen Märchens aus "1001 Nacht" auf. Die fünf Vorstellungen im Großen Saal des Bürgerzentrums Chorweiler waren mit je 600 Zuschauern allesamt annähernd ausverkauft.
Gleich mit den ersten Tönen des Musicals sprangen die Kinder im Zuschauerraum des Bürgerzentrums von ihren Sitzen auf und klatschten eifrig mit. In einem der fünf Akte standen Marktfrauen auf der Bühne, die das taten, was sie sprichwörtlich am besten können: Streiten und Fluchen. "Du Zubbelsfot", schimpfte die eine auf allerfeinstem Kölsch. "Klatschkiesjeseech" kam es postwendend zurück. Seefahrer Ali Baba verkaufte sein Duftwasser (den Kanister zu 47,11 Euro), und alle am Platze schwärmten von der Schönheit seiner zwölf Töchter. Bei so viel Anmut konnte natürlich auch der Räuberhauptmann nicht wirklich böse werden. So ging die liebevolle Kölsche Fassung des Märchens, im Gegensatz zur Vorlage, völlig unblutig von statten. Erst streiten, dann klüngeln und sich am Ende vertragen; "wir haben eben die Kölsche Lösung genommen", lachte Wilma Overbeck, die das Drehbuch zum Musical geschrieben hat. Dazu sangen die kleinen Schauspieler Lieder der Bläck Fööss oder der Höhner. Der Hit "Sex bomb" des britischen Sängers Tom Jones wurde kurzerhand zu "Gold lump" umgedichtet und war Hymne und Tanzmusik der 40 Räuber.
"Nach den vergangenen Sommerferien haben wir mit den Proben angefangen", sagte Overbeck. Als größte Hürde stellte sich heraus, dass die Kinder meist kein Kölsch konnten. Deshalb hat die Drehbuchautorin zunächst den Text jeder Charaktere auf eine Kassette gesprochen, damit sich die Nachwuchs-Musicalstars den Tonfall des Dialekts besser einprägen konnten. Mit Erfolg: "Die meisten haben so gleich mehrere Rollen gelernt", so Overbeck. Eltern hatten die bunten Kostüme genäht und schminkten die Akteure hinter den Kulissen. Ali Baba ist bereits das achte Musical, dass die Escher Schule auf die Bühne gebracht hat. Diese Erfahrung zahlte sich aus. Die Acht- bis Zehnjährigen traten ebenso selbstbewusst wie textsicher auf und von Lampenfieber war im ganzen kölschen Morgenland nichts zu sehen.
Während der Kölsche Ali Baba (links) ein sehr bekanntes Duftwasser zum Preis von 47,11 Euro verkaufte, verdrehten seine Töchter den Markthändlern den Kopf. BILD: GÖRTZ