Nach dem Unwetter
Von Stephan Kahl
Kaum hatte die Feuerwehr die gröbsten Schäden nach dem Unwetter
vom Mittwochabend beseitigt, mussten die Helfer am Donnerstag schon wieder ran.
Im Frohnhofweg in Junkersdorf war am Morgen unter den Hufen eines Pferdes die
Erde weggesackt.
Das Tier verschwand samt Reiterin in einem Loch. Nach ersten Vermutungen hatten
die Regenfälle vom Vortag die Straße unterspült.
Es war kurz nach 10 Uhr, als das Unglück passierte. Die 13-jährige Alexandra
wollte mit ihrem Pferd Donnerfee ausreiten. "Plötzlich versackte das Tier
mit einem Huf im Boden", sagt Udo Brandl, Pächter des Junkersdorfer
Reitstalls.
Beim Versuch des Pferdes, sich aus der misslichen Lage zu befreien, gab immer
mehr Erdreich nach. Bald guckte nur noch der Kopf heraus. Alexandra sprang vom Rücken
des Tieres und holte Hilfe. Die Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot an.
Mehr als 50 Männer taten alles, um das Pferd zu retten. Da das Loch jedoch sehr
eng war, schied die Bergung über einen Hebegurt von Anbeginn aus. Während ein
Tierarzt dem Pferd ein kreislaufunterstützendes Mittel spritzte, begannen die
Helfer damit, einen Kanal zu graben.
Er verlief in Richtung Loch und wurde immer tiefer. Über diese Rampe gelangte
das Pferd schließlich aus eigener Kraft wieder auf die Straße. Abgesehen von
ein paar Schürfwunden, kam es ohne Blessuren davon.
Dramatisch in Esch
Außer zu dieser zweistündigen Rettungsaktion in Junkersdorf musste die
Feuerwehr noch zu etwa 220 weiteren Einsätzen ausrücken, um Opfern der
heftigen Regenfälle zu helfen. Der erste Notruf war am Mittwoch um 17.25 Uhr in
der Leitstelle eingegangen.
Im Nordwesten der Stadt überfluteten die Wassermassen eine Vielzahl von
Kellern. Besonders dramatisch entwickelte sich die Situation in Esch. Hier
bildete sich ein regelrechter See von 3000 Quadratmetern Fläche, nachdem die
Pumpanlage der Kanalisation die Niederschläge nicht mehr schnell genug
abtransportieren konnte.
Zu den Geschädigten gehört auch Familie Kasper aus der Edmund-Richen-Straße.
"Plötzlich war das Wasser da. Es schoss in Fontänen aus den Abflüssen am
Straßenrand. In wenigen Minuten stand unser ganzer Keller unter Wasser",
erzählt Hubert Kasper. Noch in der Nacht begann das große Aufräumen.
Nicht nur das Wasser, auch der Wind verursachte große Schäden. So fielen unter
anderem viele Äste auf geparkte Autos. An den Ehrenfelder Bahngleisen wurde
sogar ein Mann auf einem Baugerüst vermutlich von einer Windböe erfasst.
Fest steht, dass der Mann in der Hüttenstraße am Abend etwa sechs Meter in die
Tiefe stürzte. Kurz zuvor hatten er und seine Kollegen noch versucht, das Gerüst
zu verlassen. Nach Angaben der Polizei erlitt der 43-Jährige nur leichte
Verletzungen.
An mehreren Stellen in der Stadt musste die Polizei Straßen oder Bürgersteige
sperren, nachdem - wie in Junkersdorf - der Boden nachgegeben hatte. Besonders
deutlich wurde der Schaden in der Christian-Gau-Straße (Braunsfeld), wo sich
ein Loch von mehreren Meter Tiefe auftat.
Zwei Autos drohten, in die Grube zu fallen. Bauarbeiter konnten das Loch jedoch
mit Kies auffüllen, bevor Schlimmeres passierte. In der Straße wird zurzeit
ein neuer, unterirdischer Kanal errichtet. Ob der Einsturz der Straßendecke mit
den Arbeiten zusammenhängt, blieb am Donnerstag unklar.
Stefan Schmitz, Angestellter der Stadt und Leiter der Straßenerhaltung im
Linksrheinischen, versucht zu erklären, wie es in der Regel zu Löchern in der
Straße kommt.
"Manchmal sind Kanäle im Erdreich undicht. So kann Sand durch kleine Öffnungen
in den Kanal gelangen und so abtransportiert werden. Es entstehen Hohlräume",
sagt der Experte. Es sei aber denkbar, dass der Untergrund bei Straßenbauarbeiten
nicht richtig verdichtet wurde.
So sacke das Erdreich nach unten ab, und die Asphaltdecke hänge bald in der
Luft. Starke Regenfälle könnten schließlich der Auslöser für den endgültigen
Einbruch sein.
Von dem jüngsten Unwetter waren nur die linksrheinischen Stadtteile betroffen.
Im Rechtsrheinischen fiel nur wenig Regen, so ein Sprecher der Feuerwehr.